Twitter gängelt App-Entwickler? Wayne!

Es herrscht Aufruhr im Twitter-Universum. Twitter hat seit der neuen API-Anpassung vom Sommer ein Token-Limit für neue Twitter-Apps vorgesehen. Zu Deutsch: Ein Client-Entwickler bekommt anfangs 100.000 Twitter-Tokens, heißt dass der Client 100.000 Mal installiert werden kann. Danach, wenn die Tokens leer sind, muss der Entwickler bei Twitter weitere anfragen.

Dass sich Twitter da relativ wenig gesprächsbereit zeigt, liegt in deren Ziel, welches sie erreichen wollen. Twitter würde am Liebsten die Apps von Dritt-Anbietern komplett aus dem Verkehr ziehen. Der Hintergrund ist der, dass in denen keine Werbe-Tweets angezeigt werden, wie es in der Standard-App der Fall ist. Da das die einzige Art der Werbung auf Twitter ist, mit der die Plattform Geld verdient, gehen hier Twitter viele Werbe-Einnahmen durch die Lappen. Daher die Einführung des Token-Limits.

Dieses Token-Limit ist nun zum Beispiel Schuld daran, dass vielversprechende Twitter-Clients für Android wie TweetLanes eingestellt und tolle Mac-Programme wie Tweetbot so viel Geld kosten. Der Aufstand ist groß. Viele sind sauer, einige reden sogar vom „Ende des sozialen Netzwerks“. Aber das ist Käse. Warum?

Twitter ist gerade auf dem Weg in den Mainstream. Früher war Twitter ein Netzwerk für Nerds, nur wenigen bekannt und nur für wenige interessant. Heute ist das anders. Twitter ist immer häufiger auch im Alltag zu finden. Nachrichtensender zitieren Tweets. Das Erste bindet Tweets zu einer Sendung via Teletext ein. Bei Sky kann man sich über Twitter direkt in die Diskussion im Fernsehen einschalten. Und und und. Und wenn der Ottonormal-Nutzer Twitter auf seinem Handy nutzen will, dann sucht er im AppStore nach „Twitter“ und nimmt dort auch „Twitter“, und nicht Tweetbot, TweetDeck etc. Dem Mainstream-Nutzer wird dieses Problem vollkommen egal sein.

Ja, wir Internet-Menschen wurden vielleicht auf Twitter aufmerksam, eben weil es so eine hervorragende API bot und so viele Clients zuließ. Die Leute auf der Straße lernen Twitter als blitzschnelles Netzwerk kennen, in dem ganz einfach Nachrichten mit vielen Menschen in Windeseile geteilt werden kann. Sollte Twitter kein Zahlungsmodell einführen oder sich etwas andere überlegen, um Werbeeinnahmen zu generieren, wird Twitter die Drittanbieter-Apps immer weiter gängeln. Und wir „Nutzer der ersten Stunden“ können relativ wenig dagegen tun. Geht doch zu App.net. Aber da seid ihr allein. Es ist wie mit Facebook: Es ist vielleicht alles andere als gut. Aber versucht doch heute mal, Fuß bei wer-kennt-wen oder StudiVZ zu fassen 😉

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