Fünf Jahre Stefan Kuntz am Betzenberg: Ein Resümee

Am Montag, den 8. April 2013 jährte sich der Amtsantritt des Vorstandsvorsitzenden des 1. FCK, Stefan Kuntz, zum fünften Mal. Hier ein kleines Resümee seiner Amtszeit mit Beleuchtung aller positiven und negativen Aspekte, die sich seitdem im und um den Verein verändert haben.

8. April 2008: Der 1. FC Kaiserslautern steht auf dem 15.- und damit auf einem Abstiegsplatz in der zweiten Fußball-Bundesliga. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt sechs Punkte. Gut zwei Monate zuvor trennte sich der FCK von seinem bisherigen Trainer Kjetil Rekdal. Seine Bilanz: 16 Punkte aus 19 Spielen, Tabellenplatz 16, fünf Punkte Rückstand auf Platz 14. Der Vorstand um Erwin Göbel zieht die Reißleine, engagiert den aus Koblenz bekannten „harten Hund“ Milan Sasic als Trainer.

An besagtem 8. April wurde Stefan Kuntz als neuer Vorstandsvorsitzender vorgestellt. Kuntz startet die Herzblut-Kampagne, geht mit gutem Beispiel und Moral voran. In einer fulminanten Aufholjagd – zwischenzeitlich sogar acht Punkte Rückstand auf den 14. Platz – schafft der FCK am letzten Spieltag durch einen 3:0-Erfolg gegen den bereits aufgestiegenen 1. FC Köln den kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt in der 2. Liga.

„Es muss wieder heißen ‚Unser FCK‘ und nicht ‚die da oben auf dem Berg.'“

Stefan Kuntz bei seiner Vorstellung

Saison 2008/09: Sam wird aus Hamburg ausgeliehen, ehemalige und zum Teil auch noch heutige FCK-Spieler wie Amedick, Dick und Lakic kommen zum FCK und bilden eine sinnvolle Ergänzung zum Kader. Die Saison beginnt fulminant, nach 0:3-Rückstand im Rheinland-Pfalz-Duell gegen Mainz 05 schafft der FCK noch ein 3:3-Unentschieden. Viele merkten die Moral der Truppe gleich an, dachten „diese Saison geht was“. Lange spielt der FCK überraschend um den Aufstieg mit, versäumt es aber wie bereits in der Saison 2006/07 im Saisonendspurt die entscheidenden Punkte einzufahren. Nach einer bitteren 1:5-Niederlage am 30. Spieltag in Rostock wird Kuntz Freund und Trainer Sasic entlassen, auch wegen interner Querelen. U23-Coach Schwartz übernimmt interimsweise, schafft jedoch den Aufstieg auch nicht mehr. Der FCK beendet die Saison auf dem 7. Platz.

Saison 2009/10: Zur neuen Saison verpflichtet Kuntz Marco Kurz als neuen Trainer. Nach dem eher kämpferischen Spiel des FCK der letzten zwei Jahre steht unter Kurz zu Anfang technische Finesse auf dem Spielplan. Der FCK zeigte im ersten Heimspiel gegen Greuther Fürth eine klasse Leistung und siegte 2:1. Ilicevic bildete mit Sam die „Flügelzange“, Neuzugang Nemec schoss in der Hinrunde 5 Tore, in der Rückrunde konnte er keinen Treffer mehr erzielen. Stürmer-Star auf dem Betze war in dieser Saison Erik Jendrisek: Er schoss 15 Tore, wechselte am Ende der Saison dann zum FC Schalke, wo er kaum Einsatzzeit bekam und kein Pflichtspiel-Tor schoss. Kurz führte den FCK souverän zurück in die Bundesliga und holt am letzten Spieltag sogar noch die Zweiliga-Meisterschaft. Nach nur zwei Jahren führte Kuntz durch seine geschickten Verpflichtungen den FCK von einem Fast-Drittligisten zurück ins Fußball-Oberhaus. Hochachtung in ganz Fußball-Deutschland war ihm gewiss.

Saison 2010/11: Vor der Saison wird Fritz Grünewalt als neuer Finanz-Vorstand vorgestellt, nach Einarbeitungsphase schied Dr. Ohlinger aus seinem Amt im Vorstand aus. Zur ersten Bundesliga-Saison seit vier Jahren führt der FCK Topspiel-Zuschläge ein, sehr zum Missfallen der aktiven Fans. Sam verließ den FCK, genauso wie Erik Jendrisek. Dieses Jahr wurde das Jahr des Srdjan Lakic: Er alleine schoss 16 Tore für den FCK in der Liga, sieben  weitere in vier Pokalspielen. Der FCK grüßte nach einem Sieg am zweiten Spieltag gegen den FC Bayern München (2:0) sogar kurzzeitig von der Tabellenspitze. Tiffert kommt vom VfB Stuttgart, wird zum Top-Vorlagengeber der Bundesliga. Hoffer macht seine ersten Schritte in der Pfalz, schießt gegen Stuttgart im Rückspiel den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich beim 4:2-Erfolg. Große Schlachten wurden geschlagen: 5:0 gegen Schalke 04, 3:3 nach 0:3-Rückstand zu Hause gegen den VfB Stuttgart. Der FCK erreicht das Viertelfinale des DFB-Pokals, verliert gegen aufopferungsvoll kämpfende Duisburger jedoch auswärts mit 0:2. Nach dem Spiel machte ein Foto von Lakic und Dieter Hoeneß die Runde: Lakic hat für die kommende Saison beim VfL Wolfsburg unterschrieben. In Lautern brodelt es, Lakic trifft ewig nicht mehr, bekommt am Ende dann doch wieder die Kurve. Dennoch: Kuntz und Kurz scheinen alles richtig zu machen. Der FCK landet am Ende auf einem sensationellen siebten Platz. Der Höhepunkt der Ära Kuntz.

Saison 2011/12: Grünewalt siedelt einen ganzen Block auf der Südtribüne wegen neuer VIP-Plätze um, viele Fans nehmen diesen Schritt dem Vorstand sehr übel, er würde das Geld den Leuten bevorzugen, die schon jahrelang eine Dauerkarte haben. Der FCK verstärkt sich nach den Abgängen von Lakic, Hoffer, Moravek, Ilicevic und Nemec mit Spielern wie Sukuta-Pasu, Jörgensen, Shechter, Kouemaha und Sahan. Keiner diese Spieler kann seinen Erwartungen auch nur halbwegs gerecht werden, der FCK gewinnt in der Hinrunde nur drei Spiele.
Bei der Jahreshauptversammlung gibt der Vorstand eine Wahlempfehlung für den aktuellen und neu zu wählenden Aufsichtsrat aufgrund der „guten Zusammenarbeit“ ab. Viele Fans sehen das kritisch, wo doch vor allem in dieser Saison der Aufsichtsrat einige Male kritisiert wurde.
In der Winterpause wird Sturm-Hoffnung Sandro Wagner von Werder Bremen ausgeliehen, dieser schießt jedoch kein einziges Tor, verspielt eine Menge Kredit und fiel in Kaiserslautern eher durch Nachtreten am Ende der Saison als durch gute Leistungen auf. Statt wie im Fußballgeschäft üblich den Trainer zu entlassen verlängert Kuntz den Vertrag mit Trainer Kurz sogar um ein Jahr, um seine Rückendeckung zu demonstrieren.

„Mit Marco Kurz haben wir den Verein nach vier Jahren wieder in die Bundesliga gebracht und im ersten Jahr einen sensationellen siebten Platz erreicht. Mit ihm werden wir auch in diesem Jahr den Klassenerhalt schaffen und weitere Ziele für unseren FCK ins Auge fassen.“

Kuntz zur Vertragsverlängerung Kurz

Der gewünschte Effekt bringt das leider nicht: Nach einer 1:4-Niederlage am 26. Spieltag gegen Schalke 04 zieht Kuntz doch die Reißleine und beurlaubt Kurz. Als neue Lösung wird Krassimir Balakov vorgestellt. Kuntz würde sogar mit ihm in die zweite Liga gehen um mit ihm einen Neuaufbau zu starten, sagte er. Ein Abstieg war mit 5 Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und bis dahin 16 Spielen in Folge ohne Sieg sehr wahrscheinlich. Balakov spielte am darauffolgenden Spiel, beim „Abstiegsendspiel“ in Freiburg ohne echte Spitze, der FCK verliert 0:2. Der FCK wird nicht mehr ausgelacht, er wird bemitleidet. Es dauert bis zum 32. Spieltag (21 sieglose Spiele) bis der FCK wieder ein Spiel gewinnt: Auswärts bei der Hertha, die am Ende der Saison in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf ebenfalls absteigen sollte. Jedoch war der 32. Spieltag auch der Spieltag, an dem der dritte Abstieg des FCK besiegelt werden sollte. Nie hat sich eine Mannschaft des FCK so desolat, so kampf-, mut- und leidenschaftslos präsentiert wie dieses Jahr. Die Fans zeigten zunächst Galgenhumor, zeigten dann der Mannschaft durch Plakate und Spruchbänder, was sie von ihrer Leistung hielt („Ihr habt alle keine Eier“, „Versager!“).
In einer chaotischen außerordentlichem Mitgliederversammlung versucht Kuntz die Fans für die nächste Saison wieder hinter sich zu bringen. Er bereue es, dass er keinen Sportdirektor engagiert habe, habe ihm doch augenscheinlich die notwendige Kompetenz in Sachen Transfers dieses Jahr gefehlt. Er könne jedoch in der zweiten Liga keinen solchen bezahlen. Es stellte sich in weiten Teilen des Umfeldes heraus: Kuntz und die anderen „Köpfe“ des Vereins sind in der Bringschuld.

Saison 2012/13: Der FCK trennt sich wider Versprechen doch von Balakov, will einen Neuanfang. Franco Foda wird als neuer Trainer verpflichtet, dazu einige Spieler mit Aufstiegs- und Bundesliga-Erfahrung: Baumjohann, Idrissou, Bunjaku… Das Ziel ist klar: Der FCK will aufsteigen – und alles nötige dafür tun. Schnell stellt sich jedoch heraus dass der FCK mit dem leidenschaftlichen Team aus Braunschweig und dem technisch besseren Team von Hertha BSC nicht mithalten kann. Es wird dieses Jahr wohl nur um den Relegationsplatz gehen.
Die Jahreshauptversammlung nach so einem bitteren Jahr wird auf einen Freitag-Abend gelegt. Am darauffolgenden Samstag spielt der FCK bei St. Pauli, große Teile der aktiven Fanszene können bei der JHV nicht zugegen sein (mehr). Kuntz redet gegenüber den Fans davon, dass es kein Konzept Sicheres Stadionerlebnis brauche, jedoch gehört er zu den 35 der 36 Profiklubs, die das Papier unterschreiben. „Um ein Zeichen zu setzen“, sagt er im Nachhinein. Die Fanszene fühlt sich verraten, weitet den 12:12-Stimmungsboykott gegen den VfR Aalen auf 90 Minuten aus.

Vielen Anhängern ist das Auftreten der Mannschaft zuwider: Ein 11-Punkte-Vorsprung auf den 1. FC Köln wird verspielt, es rumort im Verein, viele Fans sind sich einig dass Foda nicht der richtige Trainer sei. Die Mannschaft habe kein Konzept und keine Kondition, könne so nie und nimmer in der Relegation, geschweige denn in der Bundesliga bestehen.
Nach dem 1:0-Derbysieg unserer U23 gegen den SV Waldhof Mannheim spricht der FCK 52 Stadionverbote aus, zum Teil auf Bewährung (siehe). „Nach individueller Prüfung“, wie es vom Verein heißt. Jochen Grotepaß hat sich hier mit der Geschichte näher befasst. Nach einem 1:1 beim SV Sandhausen droht der Kollaps: Viele Fans glauben nicht mehr an ihre Mannschaft, der 1. FC Köln hat an diesem Spieltag den FCK überholt. Für viele ist das direkte Duell gegen den FC am darauffolgenden Spieltag Fodas Endspiel. Die Kritk gilt auch Kuntz, weil er schon im Jahr zuvor zu lange an einem Trainer festgehalten habe.
Der FCK präsentiert sich in jenem Spiel jedoch wie von einem anderen Stern: Der FC hat praktisch keine Chance, wird 3:0 nach Hause geschickt, die Fans sind auf einmal wieder voller Euphorie. Es sollte jedoch nicht ruhig bleiben.

„Es ist glaube ich typisch für Kaiserslautern, dass vor allem in Schwächephasen die ersten kleinen Ratten wieder ihre Köpfe aus den Löchern strecken. Und es gibt dann natürlich nichts besseres, als sie mit einem Sieg wieder zurückzuschicken.“

Stefan Kuntz nach dem Spiel gegen Köln

Fans sind irritiert, fragen, wer gemeint sei, empfinden diese Aussage in der Öffentlichkeit als unverantwortlich. Gruber jedoch berichtigte, dass nicht die FCK-Fans gemeint seien, sondern die „Heckenschützen“, die Gerüchte streuten und die dann in Teilen der Anhängerschaft auf fruchtbaren Boden stießen.
In diesem Jahr startete der FCK außerdem eine Fananleihe zum Rückkauf und zur Modernisierung des Nachwuchsleistungszentrums. Aufgrund der großartigen Resonanz wurde das Volumen von 6 Millionen Euro innerhalb weniger Tage gezeichnet. Ein Vertrauensvorschuss für Kuntz und Grünewalt. Wenige Tage nach der Zeichnung verlässt Hendrick Zuck – mit dem auf dem Plakat der Anleihe noch für den Nachwuchs geworben wurde – den Verein. Kuntz sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, wehrte sich jedoch und sagte, dass doch gerade das ein Grund mehr sei, dem Verein zu vertrauen. Lautern bilde talentierte Spieler aus und verkaufe gute Spieler gewinnbringend an andere Vereine.
Am Dienstag wurde von Seiten des FCK in einem Mitglieder-Rundschreiben (das erste übrigens) kritisiert, dass „ein angeblich unabhängiges Online-Medium“ (gemeint ist Der Betze brennt) eine Wahlempfehlung für die Wahl eines Satzungsausschusses abgegeben habe. Gleichzeitig zeigte der Verein jedoch sein Profil eines geeigneten Kandidaten auf, sodass man auch hier mehr oder weniger von einer „Wahlempfehlung“ sprechen könnte.

Insgesamt bleibt zu sagen: Kuntz hat in den fünf Jahren viel richtig gemacht – hat jedoch auch einige Dinge getan, die den Verein und seine Anhänger weiter weg von dem bei der Vorstellung zu beschwören versuchten „Wir-Gefühl“ bringen. Finanziell steht der Verein gut dar – auch wenn das Eigenkapital des Vereins nach dieser Saison wieder negativ sein wird. Fantechnisch und sportlich hat Kuntz in den letzten Zwei Jahren jedoch nicht alles richtig gemacht. Kuntz ist wichtig für den FCK – aber kein Heiliger.

Was bringt die Zukunft? Nun, niemand von uns kann natürlich in die Zukunft blicken. Interessant zu sehen wird sein, wie der FCK sich nach der Saison aufstellen wird. Wird der versprochene Sportdirektor im Falle des Aufstieges eingestellt? Darf Foda Trainer bleiben, wenn der Aufstieg verpasst wird?

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