Relegation allez! TSG Hoffenheim 3:1 1. FC Kaiserslautern

Die Verlängerung zur Saison stand im Haus. Durch den dritten Platz des FCK „durfte“ das Team von Franco Foda in die Verlängerung der Saison. Relegation… früher ging es auch ohne. „Neimodische Färz“, wie der Pfälzer sagen würde. Aber im Fußball geht es ja bekanntlich heutzutage vielerseits nur noch ums Geld.

IMG_2504

So zogen es uns und ca. 6.000 weitere Lautrer in die WIRSOL Rhein-Neckar-Arena zu Sinsheim, wo die TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH, sesshaft in Zuzenhausen, die Turn- und Sportgemeinschaft 1899 Hoffenheim e.V., sesshaft in Hoffenheim, vertritt. Kompliziert? Vielleicht. Aber Hoffenheim ist eben ein ganz besonderer Verein.

Am Einlass (Schlange stehen darf man übrigens auf einer mehr als steilen Treppe) durfte ich dann sogar sämtliche Taschen meines Portemonnaies öffnen. Vielleicht erfasst Dietmar Hopp die SAP die TSG gerade Statistiken, um das durchschnittliche Barvermögen der Fans verschiedener Vereine zu erfassen. Wer weiß das schon. Zu unserer Freude konnten wir innen genauso wie in Kaiserslautern mit Justpay zahlen. Das ersparte uns ewiges Anstehen, wie es zum Beispiel auf Schalke der Fall ist.

Im Vorfeld hatte Dietmar Hopp Hoffenheim  alles Erdenkliche getan, um zu sorgen dass möglichst wenige Karten nach Kaiserslautern gehen. So wurde zum Beispiel der exklusive Ticket-Vorverkauf für Mitglieder „wegen der großen Nachfrage“ um einen Tag verlängert. Als wäre diese Vorgehensweise nicht schon Paradox genug, stellte sich schnell heraus, dass die Verkaufsschalter an eben diesem Tag wie leergefegt waren. Vor allem viele Lautrer wollten sich hier mit Karten eindecken, wurden jedoch vom Ordnungsdienst unter Androhung einer Strafanzeige des Platzes verwiesen. Selbst das Sprechen mit Leuten, die Mitglieder waren, wurde mit Platzverweisen geahndet. „Der Verein möchte das nicht“, so die offizielle Antwort. Als die letzten Karten dann am Dienstag in den freien Vorverkauf gingen, waren diese genauso schnell weg wie das offizielle Gästekontingent für den FCK. Nach wenigen Minuten war alles vergriffen. Natürlich hat sich Dietmar Hopp die TSG noch einmal etwas einfallen lassen. Bevor zu viele Karten in den Vorverkauf gingen, wurden nochmal schnell 700 Karten unter Mitarbeitern der SAP verlost. Wie gesagt, man ließ nichts unversucht. Der Erfolg war jedoch nur gering.

Schon weit vor der Partie wurde sich warmgesungen und gleich mal klargestellt, wer hier heute Heim- und wer Auswärtsspiel hat. Die Fans kamen – bis auf eine kleine Rauchbombe in einem angrenzenden Sitzplatzblock – komplett ohne Pyrotechnik aus. Auch ohne Pyro lässt sich eine geile Unterstützung auf die Beine stellen! Zum Schmunzeln brachte viele das „Fanlied“ Dietmar Hopps der TSG. „Lästerei und Neiderei, gehen uns am Arsch vorbei“. Genauso lief vor dem Spiel das Badenlied, was auch nicht ganz unkurios ist, ist doch beim gemeinen Dietmar Hopp Hoffenheim-Fan das Wort Identifikation wohl eher nicht in seinem alltäglichen Wörterbuch enthalten, ganz zuschweigen davon, dass er so etwas überhaupt als Wert lebt. Wenn also nicht gerade ein Spiel des eigenen Vereins bei Hopp Hoffenheim ansteht, kann ich von einem Besuch dort nur abraten. Der Stadionsprecher („Und er (Casteels) steht wieder!“, „Danke nochmal für eure tolle Choreographie!“), das Publikum, das Maskottchen, das sich schon beim Testspiel 2010 so unfassbar lächerlich gemacht hatte – es ist einfach schrecklich bis unerträglich. Und peinlich. Und lächerlich. Und überhaupt. Feingefühl muss man den Verantwortlichen jedoch bei der Musikauswahl definitiv bescheinigen, gingen doch im Gästeblock beim „Put your hands up in the air“ voller Elan alle freien Mittelfinger hoch.

Das ganze Spiel über war die Stimmung laut, fanatisch, fantastisch. Und dennoch musste ich bei der Nachbereitung des Spiels mit Verwunderung feststellen, was sich im Fernsehen so alles tonmäßig hinbiegen lässt. Man hat die Anhänger Dietmar Hopps der TSG vielleicht ein Mal gehört. Ein Mal. Sonst überhaupt nicht. Dennoch setzte Sportcast alle Hebel und Knöpfe in Bewegung, um dennoch das Duell auf den Rängen halbwegs ausgeglichen zu gestalten. Respekt, Sportcast! DFB 1, Lautern 0.

In der fünften Minute ein erster Warnschuss von Jimmy Hoffer: Casteels kann den Ball jedoch gerade so an seinem linken Pfosten vorbei lenken. Hoffenheim macht das ganze Spiel über die Räume sehr eng, Lautern hat große Probleme damit. In der 10. Minute ist Heintz zu ungestüm gegen Volland, den Freistoß von Salihovic vom rechten Strafraumeck aus schiebt Roberto Firmino locker zum 1:0 ein. Auch hier wieder der Fehler von Heintz: Vor der Ausführung noch dicht bei Firmino, entwischt ihm dieser jedoch, der völlig frei das Ding einnetzen kann.

Was auffiel war, dass einige Abseitsszenen leider nicht aufgelöst wurden. Festgehalten werden muss, dass Idrissou wieder in sein altes Muster zurückfiel und viel zu oft im Abseits stand. In den letzten Spielen wurde das viel besser, gestern jedoch funktionierte es leider wieder überhaupt nicht. In der 29. Minute kommt Firmino über rechts, der spielt auf Volland. Der sieht, dass Beck in seinem Rücken in Richtung Grundlinie läuft, spielt auf ihn, der flankt – und in der Mitte steht schon wieder Firmino, der das 2:0 für die vermeintlichen Hausherren macht. Dieses Mal macht Baumjohann den Fehler und lässt Beck laufen statt mitzugehen. In der Mitte kommen Torrejon und Co zu spät. Während eines Konters (36.) springt der Ball an die Hand von Idrissou, Brych pfeift Freistoß – wohin denn mit den Händen? Er hat sie unten, er bewegt sie nicht zum Ball – das soll ein Handspiel sein?! In der 37. verteidigt Heintz wieder stark, nimmt einem Hoffenheimer den Ball ab und hämmert ihn gerade noch so auf der Torauslinie weg. Der Gästeblock tobt! Mit dem 2:0 ging es dann in die Halbzeit.

Es ist auffällig, dass viele Flanken heute einfach zu weit geschlagen werden. Auch wenn in der Mitte einer steht, sind diese oft zu hoch für einen, der nicht gerade 2,50 Meter groß ist. Sinnbildlich zum Beispiel in der 53. Minute: Starker Pass auf Hoffer, der über rechts kommt, jedoch eine miese Flanke in die Mitte schlägt. Eine Minute später eine starke Aktion des – heute guten – Chris Löwe gegen Firmino. In der 57. schießt Baumjohann das erste Mal gefährlich und mit Aufsetzer auf das Tor, Casteels jedoch kann den Ball sicher halten. Nur eine Minute später, einer dieser genialen Momente eines Baumjohann: Starker Pass auf Idrissou, der umkurvt noch ganz lässig von links Casteels und haut das Ding rein. 2:1, das wichtige Auswärtstor! Der Gästeblock bebte, dieses Tor war soo wichtig und könnte im Rückspiel noch Gold wert sein! Auch in der 63. wieder eine auffällige Aktion Idrissous – jedoch auf der anderen Seite: In Bedrängnis spielt er drei Hoffenheimer auf engem Raum aus, um den Ball sicher zurück zu Sippel zu spielen. Als gäbe es nichts leichteres für ihn…

67. Minute: Torrejon hat den Ball, kann ihn einfach klären, sonstwohin spielen – er vertendelt ihn stattdessen, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Schipplock, gerade erst eingewechselt worden, macht das 3:1. Die gute Ausgangsposition dahin, jetzt ist es nur noch eine mittelprächtige. Den Fehler darf sich der sonst starke Torrejon ankreiden. Egal, Mud abbutze, weitermache!

In der 68. kommt Riedel für Hoffer. Ein nicht positionsbezogener Wechsel, dessen Sinn sich für mich bis jetzt noch nicht ergibt. Schwamm drüber, gezweifelt werden kann nach 180 Minuten. Nach 71 Spielminuten hat Volland die Chance, alles klar zu machen. Flanke von rechts, Volland köpft aus wenigen Metern den Ball jedoch über die Latte. Ein paar Zentimeter, und aus der schweren wäre eine Herkulesaufgabe für das Rückspiel geworden. Sieben Minuten später prallt Casteels mit seinem eigenen Mitspieler zusammen und muss über drei Minuten behandelt werden. Alle glauben an eine ernsthafte Verletzung, am Ende steht er mit einer blutenden Nase wieder auf. „Piens net“, sagt der Pfälzer da. In der Nachspielzeit noch eine letzte Aktion, Baumjohann prallt mit Casteels zusammen obwohl Abseits zuvor gepfiffen wurde. Der Sky-Kommentator echauffiert sich über Baumjohann, er solle doch ausweichen, wenn er doch sehe dass die Fahne hoch geht. Baumjohann kann an guten Tagen vieles, aber in Luft auflösen bekommt glaube ich selbst ein Messi noch nicht hin.

Dann ist das Spiel aus. Kaiserslautern verliert bei Dietmar Hopp der TSG mit 1:3, hat jedoch durch das immens wichtige Auswärtstor durch Idrissou noch alle Chancen am Montag. Und die Fans zeigen, dass sie noch dran glauben, bleiben nach Schlusspfiff noch im Block und zeigten der Mannschaft, dass sie auch im Rückspiel ihr Team so einzigartig wie heute unterstützen wollen. Ein richtig starker Auftritt, mit das Beste, was ich in sechs Jahren Betze miterleben durfte. Also Leute, gebt auch am Montag alles. Ihr wisst, was alles möglich ist! Glaube kann Berge versetzen! Denkt an Köln 2008! Leverkusen 2009! Oder an die Bayern 2010! Gebt alles, schreit euch die Seele aus dem Leib, pfeift den Gegner bei allen euch bietenden Möglichkeiten aus, macht den Berg wieder zu dem, was er früher war! Oder ganz einfach: Macht einfach da weiter, wo wir gestern Abend aufgehört haben.

„Mit diesen tollen Fans, die uns hier heute fantastisch unterstützt haben ist auch im Rückspiel noch alles möglich.“

– Franco Foda

Let's go Betze

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.