Road to Berlin, Station 1: Neckarsulmer Sport-Union 0:7 1. FC Kaiserslautern

Zum ersten Mal seit gefühlten Dekaden Erleichterung und Zufriedenheit bei den Fans des 1. FC Kaiserslautern nach der Auslosung der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde. Mal kein Gegner, der sportlich irgendwo zwischen zweiter und dritter Liga liegt und/oder endlich mal kein Gegner, bei dem man als Auswärtsfahrer irgendwelche unschönen Dinge befürchten müsste. Dieses Mal meinte es die Losfee mit dem FCK so gut wie schon lange nicht mehr und bescherte uns das sportlich leichteste und mit Neckarsulm auch nicht das allerweit entfernteste Auswärtsspiel in der ersten Pokalrunde.

So zogen gut und gerne 4000-5000 Lautrer gen Heilbronn, wo der frisch aufgestiegene Verbandsligist aus Neckarsulm sein Erstrundenspiel austrägt. Vom Parkplatz waren es gute fünf Minuten entlang eines Neckar-Nebenflusses bis zum Stadion – und dem großen Stadionbiergarten, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Einfach ein grandioses Flair, so macht DFB-Pokal Spaß!

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An den zügigen Eingangskontrollen vorbei enterten wir die Gästekurve. Positiv fiel auf dass es keine Blocktrennung gab. Außerdem wurden an den Zäunen Rasensprenkler befestigt um die Masse abzukühlen. Ein dickes Plus dafür an die Organisation, die damit den Platz in der Sonne um einiges erträglicher machte. Im Gesamten zeigten sich die Neckarsulmer stets als sympathische Gastgeber, so forderte der Coach der Blauen in einem Interview die FCK-Fans im Vorfeld auf zahlreich zu erscheinen und ein wenig Betzenberg-Atmosphäre an den Neckar zu bringen.

Insgesamt wusste das gut 17.000 Zuschauer fassende Stadion durchaus zu gefallen. Ein Ort, an dem es nur Bier, Apfelschorle und Bratwürste gibt. Wo Männer ihre Notdurft in den Büschen hinter der Kurve entrichten. Wo es keine Videowalls oder sonstigen Schnickschnack gibt. Negativ fiel jedoch die Werbebande auf, die direkt am Spielfeld platziert wurde. Dadurch wurde bei der ein oder anderen Torszene die Sicht auf das Geschehen versperrt. Dafür dürfte jedoch die Organisatoren keine Schuld treffen, hier ist wohl eher das Fernsehen verantwortlich.

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Dass für die Neckarsulmer das das Spiel des Jahres war merkte man zum Beispiel schnell am Stadionsprecher, der sich viel um Entertainment bemühte. Bei solch einem außergewöhnlichen Spiel sei das noch einmal verziehen (dazu zählt auch der Live-Auftritt des ominösen „Heilbronx“-Rappers Brockmaster B). Die FCK-Kurve war anfangs gut aufgelegt und konnte vor allem durch Wechselgesänge überzeugen. Ansonsten muss man sagen, dass die Kurve zu groß war, als dass sich „synchron“ gut die Mannschaft unterstützen ließe.

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Zum Spiel selbst lässt sich nur wenig sagen, dafür war – ohne despektierlich wirken zu wollen – der Unterschied zwischen beiden Mannschaften zu groß. Lautern tat sich in der Anfangsphase sehr schwer, der Elfmeterpfiff und das darauf folgende 1:0 durch Idrissou war dann der Dosenöffner. Jetzt hatte der FCK den Fuß in der Tür und fand besser ins Spiel: Kurz vor der Pause kann Gaus auf 2:0 erhöhen. Kurz nach Wiederanpfiff stellt Karim Matmour dann auf 3:0 und macht damit alles klar. Noch einmal Gaus, einmal Idrissou und zwei Mal Occean machen dann den 7:0-Erfolg am Neckar perfekt. Neckarsulm hatte zu keiner Zeit eine wirkliche Chance und hatte im gesamtem Spiel auch nur 3 Torschüsse (Kaiserslautern 31). Auch die 72 % Ballbesitz für die Roten Teufel sprechen für sich.

Nach dem Spiel drehten die Spieler aus Neckarsulm noch eine Ehrenrunde – und wurden von den FCK-Fans frenetisch gefeiert. Sie kamen an den Zaun zum Abklatschen und machten mit ihnen die Welle. Szenen, wie es sie nur in der ersten Pokalrunde gibt. Ein Erlebnis, dass man im Nachhinein nicht missen möchte.

Am Ende des Tages steht eine interessante und tolle Reise in die beschauliche Fußball-Provinz. Sportlich jedoch soll diese Provinz nur ein Zwischenstopp sein – auf dem Weg in die große (Fußball-)Metropole Berlin.

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