Überstunden #5: SV Darmstadt 98 6:0 F.C. Hansa Rostock

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Ich habe lange überlegt, ob ich zu dem Spiel SV Darmstadt 98 gegen Hansa Rostock vom letzten Wochenende überhaupt was schreibe. Einige Ereignisse drumherum haben mir ein wenig den Spaß an der Sache genommen. Letztendlich denke ich jedoch, dass man auch über unangenehme Dinge schreiben muss. In dieser Überstunden-Reihe möchte ich meine Eindrücke von verschiedenen Fußballspielen, die ich besuche, schriftlich festhalten. Dass das nicht immer positive Eindrücke sind oder sein können, habe ich letzten Samstag zum ersten Mal merken dürfen. So etwas gehört dazu, das Leben ist eben kein Ponyhof. Auch nicht beim Fußball.

Dank VRN-Jahreskarte ging es für 8 Euro plus Versand für die Tickets sehr günstig mit der Bahn nach Darmstadt und zum Spiel der Lilien gegen die Hansa-Kogge. Knapp zweieinhalb Stunden für einen Weg waren zwar mehr als mit dem Auto, aber auch deutlich günstiger und bequemer. Auf der Hinfahrt ein einmaliger Umstieg in Heidelberg, auf dem Rückweg zwei Umstiege in Mannheim, sollte also im Rahmen bleiben.

Auf dem Weg von Heidelberg nach Darmstadt fielen dann leider einige geistige Tiefflieger, die eindeutig als Rostocker identifizierbar waren, mit ausländerfeindlichen Sprüchen und entsprechendem Verhalten gegenüber anderen Zuggästen auf. Die dazu passende Bekleidung der Marke Thor Steinar ließen mich leider darauf schließen, dass es sich hier um keine kindischen Trittbrettfahrer sondern um „echte“ Nazis handelte.

Nach einer guten halben Stunde kamen wir letztendlich in Darmstadt an und wurden von der örtlichen Polizei direkt in die Shuttlebusse zum Stadion gelotst. Im Bus fielen dann wieder die Auswärtsfans positiv auf und gröhlten einen Peter Maffay-Klassiker nach dem anderen lauthals mit. So machen Auswärtsfahrten Spaß, lustige Begegnungen mit fremden Leuten machen unter anderem für mich den Reiz aus, „fremde“ Spiele zu besuchen.

Nach etwa zehnminütiger Fahrt kamen wir letztendlich am Stadion an. Die Busse erreichten den Auswärtsblock bereits um 12 Uhr, Einlass war jedoch erst für 12:30 Uhr vorgesehen. Hieß: eine halbe Stunde Wartezeit. Manchen Leuten (100-150) wurde das wohl zu langweilig. Im Wald hat irgendwas geraschelt und ratzfatz war der Platz vor dem Gästeblock zu mehr als die Hälfte leer. Aus meiner Perspektive war diese Aktion viel Lärm um nichts, passiert ist nämlich meines Wissens nach nix.

Das Stadion am Böllenfalltor hat ein ganz besonderes Oldschool-Flair. Eine überdachte Haupttribüne, ansonsten – mit Ausnahme der Gästesitzplätze direkt neben deren Stehplatzblock – ein reines, unübderdachtes Stehplatzstadion.  Die aktive Fanszene der Lilien bezieht ihren Block auf der Richtung Spielfeld gesehen rechten Seite der Haupttribüne, aber auch von der Gegentribüne und der anderen Seite der Haupttribüne kam Stimmung auf. Das Dach hat auch von der Lautstärke her einiges ausgemacht. Insgesamt waren 7400 Zuschauer anwesend.

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Bei Hansa Rostock lief weder stimmungstechnisch noch sportlich etwas zusammen. Trotz knapp 1000 mitgereisten Fans von der Ostsee kam nie wirklich eine gute Stimmung auf. Ob das am fehlenden Dach liegt, schwer zu sagen. Der Start jedenfalls war mehr als schlecht, das schlechte Spiel der Mannschaft tat hier sein Übriges.

Darmstadt war während des gesamten Spiels drückend überlegen, Rostock kam während der gesamten 90 Minuten nur zu ein, zwei nennenswerten Torchancen. Die rote Karte gegen Kocukovic in der 14. Minute leitete die Niederlage der Kogge frühzeitig ein, wobei ich mich auch mit den Wiederholungen nicht festlegen könnte, ob das wirklich ein Foul war. Ich kann weder erkennen, ob Kocukovic zurückzieht, noch, ob er den Gegenspieler wirklich trifft. Durch eine sonstige, desaströse Abwehrleistung, u.a. auch durch einige, individuelle Fehlern gewann Darmstadt schlussendlich hochverdient mit 6:0. Überragender Mann mit einem „Hattrick+1“ war der Ex-Frankfurter Dominik Stroh-Engel, der alle vier Tore in der zweiten Hälfte erzielte. Über die letzten zwei Spiele haben die Lilien jetzt 10:0 Tore geschossen. Wenn sie eine Chance gegen Schalke am Mittwoch im DFB-Pokal haben, dann in der momentanen Verfassung.

Während des Spiels gab es auch Nickeligkeiten zwischen der  Polizei und den Fans des FCH. Der „Sicherheitsbeauftragte“ des SV98 forderte die Fans der Kogge mehrmals auf, ihre Banner von den Fluchttoren zu den Innenräumen zu entfernen, unter der Androhung des Eingreifens durch die Polizei. Als die Hansa-Fans dieser Bitte nicht nachkamen, machte sich die Polizei für den Einsatz bereit, unterließen den jedoch dann als die Rostocker auf die Zäune kletterten und eindeutige Gesten in Richtung der Beamten machten. In diesem Fall richtig reagiert von der Polizei: Auf Provokation folgt Deeskalation.

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Bereits vor Spielende verließen erwartungsgemäß viele Fans den Block vorzeitig. Den noch gebliebenen Fans stellte sich die Mannschaft dann auch, einige Spieler kamen sogar bis an den Zaun. Im Block blieb es insgesamt ruhig, nur ganz wenige Pfiffe waren zu hören. Eine überraschende und erfreuliche Reaktion.

Umso unerfreulicher war dann leider das, was nach dem Spiel passierte. Ich selbst bekam davon nichts mit, aber es soll noch Auseinandersetzungen zwischen Hansa-Anhängern und der Polizei gegeben haben. Außerdem sollen noch mobile Toilettenhäuschen in Brand gesetzt worden sein, was auch die Feuerwehr erklären würde, der wir auf dem Rückweg zum Bahnhof begegneten. In der Nachbetrachtung sehen beide Seiten natürlich völlig unterschiedliche Sachverhalte, die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte (vgl. „Hansa-Fans halten Polizei in Darmstadt in Atem“ – liga3-online.de)

Auf dem Rückweg fuhr dann noch durch ein kleines Missgeschick ein Polizeiauto auf einen Shuttlebus auf. Die Weiterfahrt verzögerte sich Gott sei Dank nur kurz. Die weitere Heimfahrt verlief dann ohne größere Probleme.

Nein, langweilig war dieser Samstag auf keinen Fall. Für jemanden wie mich, der oft und viel über die Anhängerschaft von Hansa Rostock in den Medien hört, war das jedoch durchaus ein Tag der einen zum Nachdenken anregt. Ich beileibe kein naiver Mensch und glaube auch nicht alles so, wie es uns gerne in den Mund gelegt wird (wie man im Übrigen auch an älteren Blogeinträgen meinerseits sieht). Ich wollte am Samstag unvoreingenommen nach Darmstadt fahren und unter anderem selbst ein Bild davon machen. Man muss leider sagen: Man kann diesen Ruf des Rostocker Umfeldes teilweise bestätigen. Leider. Vielleicht erwischte ich auch einfach einen schlechten Tag. Es wird vielleicht nicht mein letztes Auswärtsspiel von Hansa gewesen sein. Für das nächste Mal hoffe ich aber auf Besserung.

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