Ein Jahr American Football

In letzter Zeit war mein Blog relativ sachlich und unpersönlich gehalten. Beschränkt habe ich mich meist auf trockene, sachliche Auswertungen der Ansetzungen der Montagsspiele, meinen Berichten von Fußballspielen oder sehr unregelmäßig auch meine Meinung zu verschiedenen Themen der Medien- oder Fanlandschaft. Leider ergab sich aus diesen Umständen, dass ich nicht allzu viel Stoff zum darüber schreiben hatte und der Blog oftmals mehrere Wochen oder gar Monate brach lag. Das will ich in Zukunft ändern und über mehr Themen bloggen, die mich persönlich betreffen und so auch meinen „Themenbereich“ erweitern. Auch werde ich eventuell wieder mehr über Technik schreiben – zumindest habe ich das fest vor. Morgen bekomme ich zum Beispiel mein neues Nexus 5, wozu ich sicher später auch ein paar Zeilen tippen werde. Heute möchte ich über eine Sportart twittern, die mich vor ca. einem Jahr richtig packte und ich seitdem doch recht intensiv verfolge: American Football. Auch auf die Gefahr hin, dass einiges vielleicht doch sehr „laienhaft“ wirkt, jeder fängt einmal klein an – und mit einem Jahr Football kennt man bei weitem noch nicht alles, was die Sportart zu bieten hat. Der Anfang jedoch war bereits ein wenig früher…

Im Februar 2011 sah ich mit dem Super Bowl XLV in Arlington, Texas, mein erstes Football-Spiel. Ich war frisch in meiner Ausbildung, hatte mein erstes eigenes Sky-Abo und schaute ab und an mal ESPN America rein, ohne jedoch ein Spiel mal richtig intensiv zu verfolgen. Über das „Event Super Bowl“ liest man ja vieles in der öffentlichen Berichterstattung der Medien, und in diesem Jahr wollte ich zum ersten Mal mir dieses Spektakel ansehen. Was dort geboten wird, ist einmalig: Die Präsentation des Spiels, des Drumherums, die Halbzeitshow… es ist einfach Wahnsinn.

Bei jenem Spiel traten die Green Bay Packers gegen die Pittsburgh Steelers an. Da ich natürlich noch keine Teams in der NFL kannte, informierte ich mich über beide Teams. Und wer den FCK liebt, wird spätestens da feststellen, dass da der Weg zu den Packers nicht mehr weit ist: das einzige Team der Liga mit der Allgemeinheit als Eigentümer. In etwa gleich große Stadt (beide ca. 100.000 Einwohner), beide trotzdem in der Vergangenheit ziemlich erfolgreich, große Tradition in der Liga… Im Umfeld der NFL ist so etwas eine echte Besonderheit. Das war der Punkt, wo ich anfing, für die Cheeseheads zu sympathisieren. Tatsächlich gewannen die Packers den Super Bowl und wurden zum 13. Mal World Champions, was mich auch freute. Natürlich war ich aber noch weit davon entfernt, mich einen echten „Fan“ nennen zu können.

Die nächsten zwei Jahre schaute ich ehrlich gesagt nur sporadisch Football, wenn es sich gerade anbot und auf ESPN America zu sehen war. Trotzdem verfolgte ich die Ergebnisse der Packers und schaute auch 2012 den Super Bowl zwischen den Giants und den Patriots, wobei dieses Mal das Team für das ich hielt verlor. Gegen Ende der 2012er Saison schaute ich auch die beiden Spiele Green Bays gegen die Vikings. Das letzte Spiel der Regular Season gegen die Vikings ging verloren, wodurch Minnesota den Einzug in die Playoffs schaffte und eine Woche später direkt wieder in Green Bay zu Gast war. Starting Quarterback Christian Ponder verletzte sich vor dem Spiel, wodurch die Vikings mit ihrem Backup-QB spielen mussten und letztendlich auch verloren. In der Divisional Round war dann jedoch leider für Aaron Rodgers und die Packers in San Francisco gegen Colin Kaepernick Endstation. Dass ich in Zukunft desöfteren über die 49ers stolpern würde, wusste ich damals noch nicht. Auch den 2013er Super Bowl zwischen den Baltimore Ravens und den 49ers habe ich gesehen. Ray Lewis und die Ravens konnten sich letztendlich in einem spannenden Spiel durchsetzen. Nicht zuletzt wegen des Stromausfalls, aber auch wegen der starken, aber dann doch vergebenen Aufholjagd San Franciscos hatte das Spiel unglaublich viel zu bieten.

Nach diesem Spiel hatte ich definitiv Lust auf mehr. So war die 2013er Saison die erste Saison, in der ich dank Sport1US und NFL Gamepass jedes Wochenende Football sah – und auch so ziemlich jedes Packers-Spiel gesehen habe. Die Saison begann auch wieder gegen die 49ers – und einer Niederlage. Nach einem Sieg bei den Redskins und einer Niederlage zu Hause gegen die Bengals folgte die Bye Week und drei Siege in Folge. Aaron Rodgers und die Offense der Packers schienen gerade richtig in Fahrt zu kommen, als Rodgers sich im Monday Night Game gegen die Bears verletzte. Green Bay verlor das Spiel – und eine Woche später auch Backup-QB Seneca Wallace. Beim Spiel gegen die Eagles musste dann Scott Tolzien ran, der unter der Woche erst als dritter QB vom Practice Roster gesignt wurde. Nach diesem Spiel wurde der ehemalige Packers-Quarterback Matt Flynn wieder zurückgeholt und Wallace auf die Season Ending Injury Reserve gesetzt. Eine Woche später bei den Giants startete Tolzien für die Packers, wurde jedoch im Verlauf des Spiels durch Flynn ersetzt. Jedoch konnte auch er die Niederlage nicht verhindern, wodurch Green Bay immer weiter in der eigenen Division abrutschte.

Fünf Spiele in Folge konnte Green Bay nicht gewinnen. Auch wenn man doch immer wieder jedes Spiel schaute, die Hoffnung auf die Playoffs schwand immer mehr. Dann konnte gegen die schwächelnden Atlanta Falcons zu Hause gewonnen werden – ehe dieses vollkommen irre Spiel bei den Cowboys kam. Das Team um Matt Flynn konnte einen 3:26-Rückstand aufholen. Für mich (und wohl alle Packers-Fans) war es das Spiel der Saison. Zusammen mit dem Spiel bei den Bears das packendste Spiel des Jahres. Auch wenn ich bei den beiden Spielen wohl das ein oder andere Mal die anderen Hausbewohner geweckt habe – das war einfach der Wahnsinn. Beim Ansehen der Wiederholung bekomme ich bei Lacy’s Sprung über die Dallas D-Line und den Pick Tramon Williams ein dickes Grinsen ins Gesicht.

Trotzdem ging jede Woche das Hoffen auf das Comeback Rodgers weiter. Insgesamt acht Wochen – also genau die Hälfte der Saison – fiel Rodgers aus. Und als wäre es Schicksal, kam Rodgers zum alles entscheidenden Spiel im Soldier Field zurück. Beim Spiel gegen die Bears, das Team, gegen welches er sich seinen Schlüsselbeinbruch zuzog. Beim Alles-oder-Nichts-Spiel. Win and In. Und die Packers kamen rein. In die Playoffs. Und der Gegner: Die San Francisco 49ers. Wer sonst.

An dieser Stelle endet die Geschichte über mein erstes Football-Jahr. Zumindest mit meinem Football-Team, denn auch dieses Mal waren die 49ers eine Nummer zu groß für Green Bay. Trotzdem verfolgte ich natürlich auch weiterhin die Playoffs und sah alle Spiele live. Bereits vor der Wildcard-Round wünschte ich mir eine bestimmte Paarung für den Super Bowl: Denver gegen Seattle. Tatsächlich konnten beide Teams sich in die Conference Championship-Games vorkämpfen und diese auch gewinnen. Russell Wilson kann bereits in seiner zweiten Saison für die Seahawks den Super Bowl gewinnen, während Peyton Manning auf Seiten der Broncos seine Rekordsaison krönen kann. Nach dieser Saison würde ich auch Manning seinen zweiten Super Bowl-Sieg gegen Ende seiner Karriere gönnen, um dieser beispiellosen Saison die Krone aufzusetzen. Wilson ist auch ein klasse Quarterback – aber er hat noch ein paar Jahre mehr Zeit als Manning. Omaha!

Eine tolle erste Saison für mich geht in zwei Wochen mit dem Super Bowl zu Ende. Ich denke, als Packers-Fan hätte es keine bessere Saison sein können. Sie endete nicht mit einem grandiosen Playoff-Run und einem Super Bowl-Sieg. Aber sie bot so viele verschiedene Ups und Downs, dass sie mich endgültig für diese Sportart begeistern ließ. So habe ich mir auch vorgenommen in diesem Jahr Spiele der Kaiserslautern Pikes zu besuchen, auch wenn die leider ab diesem Jahr wieder in der Regionalliga starten müssen. Trotzdem freue ich mich, die Offseason mit Football aus der Region überbrücken zu können. Und auf die nächste NFL-Saison freue ich mich sowieso. Green Eightteeeen!

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