Wenn der Schiri montags anpfeift (Montagsspiele, Saisonanalyse 2013/14)

We don't like mondays!

Dieser Artikel erschien ursprünglich am am 24.4.2014 beim FCK-Online-Fanzine Der Betze brennt. Aus Zeitgründen habe ich den Artikel ohne weitere Anpassungen in meinen Blog kopiert. Ich bitte dies zu entschuldigen.

In vier Tagen steigt das letzte Montagsspiel in dieser Zweitliga-Saison. Für den 1. FC Kaiserslautern ist die Auswärtspartie bei Union Berlin bereits die achte Ansetzung an diesem bei Fans verhassten Termin. DBB-Autor grumbeerstambes hat die Vergabepraxis der Montagsspiele analysiert und die TV-Partner befragt.

Von einigen Sport-TV-Junkies werden sie gemocht. Von Fans, die ihren Verein in den Stadien der Republik unterstützen, werden sie gehasst. Die Rede ist von den Montagsspielen der zweiten Fußball-Bundesliga. Jährlich finden bis zu 32 Partien am ungeliebten Fußballtag unter der Woche statt. Dabei nehmen die TV-Partner und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) offensichtlich selten Rücksicht auf die Belange der Fans. Am 18. Spieltag mussten Fans des FC St. Pauli zum Beispiel bei Berücksichtigung beider Fahrtwege 1.584 Kilometer zurücklegen, um an einem Montagabend ihre Mannschaft bei 1860 München zu unterstützen. So gehen bei dem Besuch eines Auswärtsspiels schon mal ein bis zwei Urlaubstage flöten. „Der Betze brennt“ hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und auch die Medienpartner der Bundesligen, Sport1 und Sky, zur strittigen Anstoßzeit befragt.

Vor etwas mehr als 20 Jahren, am 18. Oktober 1993, fand zwischen dem FC St. Pauli und dem VfL Bochum das erste Montags-Livespiel in der Geschichte der zweiten Liga statt. Nach dieser Partie zeigte das DSF in der Saison 1993/94 unregelmäßig weitere Montagsspiele, ehe der Sportsender ein Jahr später endgültig seine regelmäßige Live-Übertragung von Zweitliga-Fußball startet. Seitdem finden pro Saison bis zu 32 Partien am Montagabend statt. Von einer gerechten Verteilung der Montagskicks auf die 18 Vereine der Liga kann davon keine Rede sein. Immer wieder kritisieren Anhänger der Zweitligavereine die Terminierung am fanfeindlichen Termin unter der Woche. Im Folgenden werden wir uns ein wenig der (vielleicht trockenen) Statistik bemühen. Wir betrachten uns in diesem Bericht die letzten fünf Zweitliga-Saisons, inklusive der aktuellen Spielzeit 2013/14. Erläuterungen zur Statistik finden sich weiter unten.

Nach Zugehörigkeit in der Liga

In diesen fünf Jahren spielten 30 verschiedene Vereine in der 2. Bundesliga. Darunter sind fünf Vereine, die während der gesamten fünf Jahre in der Liga vertreten waren, ebenso viele waren zum Beispiel nur ein Jahr in der zweithöchsten Spielklasse. Statistisch gesehen haben Mannschaften, die von den letzten fünf Jahren drei in der zweiten Liga spielten die meisten Montagsspiele pro Saison (im Schnitt 4,17 Partien), genauso wie die meisten Auswärtsspiele (2,33). Auch haben diese Vereine die im Schnitt weiteste Anreise zu Montags-Auswärtsspielen in einer Saison (1964,40 km). Die dem gegenüberstehenden Tiefstwerte markieren Klubs, die nur ein Jahr (2,20 Montagspartien/Saison), bzw. fünf Jahre (1,12 Auswärtsauftritte/Saison; 902,56 km/Saison) im Unterhaus sind/waren. Da diese Statistik jedoch nur sehr allgemein und relativ wenig sagend ist, kommen wir zu den einzelnen Vereinen.

Nach Vereinen

Der höchste Schnitt an Zweitligaspielen in einer Saison hat Eintracht Frankfurt mit 9 Spielen inne – wobei Frankfurt auch nur ein Jahr zweite Liga spielte und der überraschende Abstieg samt Wiederaufstieg der SGE doch einiges an Interesse mit sich brachte. Auch in einer weiteren Statistik ist Frankfurt aufgrund seines „One-Year-Stands“ führend: Sie bestritten die meisten Auswärtsspiele pro Jahr im Schnitt (6 Spiele). Bis zum letzten Spieltag vor der Winterpause war der FC Ingolstadt das Team mit den meisten Saisons in der zweiten Liga, ohne eine einzige Partie an einem Montagabend spielen zu müssen (4 Jahre). Die Premiere fand dann bekanntlich am Vorabend von Weihnachten mit dem Heimspiel gegen den FCK statt. Jetzt sind der VfR Aalen und der SV Sandhausen (je 2 Jahre) die längste Zeit ohne „Topspiel“. Ein Sonderfall ist der SC Paderborn, der aufgrund von Lärmschutzbestimmungen zumindest zuhause keine Montagsspiele austragen darf.

Im Saisonschnitt mussten unsere Roten Teufel von allen 30 Zweitligisten – mit Ausnahme von eben Eintracht Frankfurt – im Vergleichszeitraum die meisten Kilometer zurücklegen (4609,33 km in 3 Spielzeiten). Die meisten Auswärts-Kilometer am Montagabend insgesamt sammelte ebenfalls der FCK, der in den drei Zweitliga-Jahren insgesamt 12.510 Kilometer quer durch die Republik reisen durfte – und damit auch alle Teams überholt, die bereits fünf Jahre zweitklassig spielen. Neben den Pfälzern haben seit der Spielzeit 2009/10 nur drei weitere Klubs eine fünfstellige Zahl in dieser Statistik zu Buche stehen (St. Pauli 10.980 Kilometer bei 4 Saisons, Düsseldorf 10.772 Kilometer bei 4 Saisons, Cottbus 10.066 Kilometer bei 5 Saisons), wobei diese jedoch dann deutlich hinter den Wegen des FCK liegen. Auch hatte nur Eintracht Frankfurt – im Schnitt gerechnet – mit seinen eben 9 Auftritten mehr Montagsspiele in einer Saison als der FCK (7,67 Spiele pro Saison). Somit sind die Pfälzer unter allen 18 aktuellen Teams in der zweiten Liga das Team mit den meisten Montagspartien pro Spielzeit im Schnitt. Von den aktuellen Zweitligisten sind im Referenzzeitraum Sandhausen und Aalen ganz ohne Montagsspiele.

Die aktuelle Saison

Das Spiel des 1. FC Kaiserslautern bei Union Berlin am 32. Spieltag ist die letzte Montagspartie der Saison 2013/14. Am öftesten am ungeliebten Termin zum Wochenbeginn antreten musste bisher – wie soll es anders sein – der FCK (8 mal). Damit spielen die Roten Teufel fast ein Viertel ihrer Spiele an diesem Abend (23,5%). Dahinter folgen Fürth (7 Spiele), Düsseldorf und Köln (je 6 Spiele). Kaiserslautern musste zusammen mit Fürth dabei auch am häufigsten auswärts antreten (je 5 mal), dahinter folgen Düsseldorf und Cottbus (je 4 mal). Auch dieses Jahr ist der FCK Spitzenreiter – zumindest was die Auswärtskilometer angeht: 4.352 Kilometer bedeuten den einsamen Topwert aller 18 Vereine; knapp 600 Kilometer dahinter folgen erst die Cottbuser (3.782 km). Interessant ist hier auch der Vergleich zwischen den Auf- und den Absteigern: Beide Absteiger (Fürth und Düsseldorf) kommen auf zusammen 13 Montagsspiele (davon 9 auswärts) und 6.822 Auswärtskilometer – die beiden Aufsteiger (Bielefeld und Karlsruhe) auf ein „mickriges“ Auswärtsspiel und 636 Kilometer. Eine gesunde Balance sieht anders aus.

Nach Saisons

Im letzten Jahr wurden Zweitliga-Fans fast schon ein wenig „verwöhnt“. Insgesamt waren für alle Montagsspiele in der Saison 2012/13 „nur“ 20.708 Kilometer von den 18 Mannschaften und deren Anhänger zu fahren – deutlicher Tiefstwert im Referenzzeitraum. In der aktuellen Saison sind es 25.654 Kilometer, die die Auswärtsfans zurücklegen müssen. Nur in der Saison 2010/11 mussten weitere Wege gefahren werden (26.560)

Die Topwerte im Überblick

Meiste Montagsspiele insgesamt:
1. Fortuna Düsseldorf: 27 Spiele (4 Saisons)
2. FC St. Pauli: 23 Spiele (4 Saisons); 1. FC Kaiserslautern: 23 Spiele (3 Saisons)

Teams ohne Montagsspiele:
1. SV Sandhausen (2 Saisons); VfR Aalen (2 Saisons)
2. TuS Koblenz (1 Saison); Jahn Regensburg (1 Saison)

Meiste Auswärtsspiele insgesamt:
1. 1. FC Kaiserslautern: 15 Spiele (3 Saisons)
2. Fortuna Düsseldorf: 14 Spiele (4 Saisons)
3. FC St. Pauli: 11 Spiele (4 Saisons); Energie Cottbus: 11 Spiele (5 Saisons)

Meiste Montagsspiele pro Saison:
1. Eintracht Frankfurt: 9,00 (1 Saison)
2. 1. FC Kaiserslautern: 7,67 (3 Saisons)
3. Hertha BSC: 7,50 (3 Saisons)

Meiste Auswärts-Kilometer pro Saison:
1. Eintracht Frankfurt: 4.758 (1 Saison)
2. 1. FC Kaiserslautern: 4.609 (3 Saisons)
3. Hertha BSC: 3.294 (2 Saisons)

Meiste Auswärts-Kilometer insgesamt:
1. 1. FC Kaiserslautern: 13.828 (3 Saisons)
2. FC St. Pauli: 10.980 (4 Saisons)
3. Fortuna Düsseldorf: 10.772 (4 Saisons)

Die Auswahl der Montagsspiele

Wir haben den Medienpartnern der DFL, Sport1 und Sky, einige Fragen gestellt. Von Sky erhielten wir leider keine Antwort, Sport1 war jedoch bereit, uns einige Fragen zum Prozedere der Auswahl der „Topspiele“ zu beantworten. So schlage der Sender etwa in einem Sechs-Wochen-Vorlauf der DFL Begegnungen vor, die er gerne übertragen wolle. Diese werden von der DFL geprüft. Bei der Terminierung spielen dann auch Bitten der Polizei eine Rolle, zum Beispiel Derbys wie das zwischen Köln und Düsseldorf nicht auf den späten Abend zu legen. Laut Sport1 müsse das Montagsspiel nicht das Topspiel auf der Tabelle sein. Faktoren seien im Allgemeinen viel mehr zum Beispiel die Atmosphäre im Stadion und die sportliche Attraktivität der Partie. Den Positiv- und Negativrekord bei den Gesamtzuschauern hat im Übrigen beide der FCK inne: Am 12. August schalteten im Schnitt 1,16 Millionen Zuschauer beim Gastspiel bei der SpVgg Fürth ein; der Negativrekord stellt der 1. Spieltag der Saison 2012/13 mit dem Heimspiel gegen Union Berlin dar (460.000 Zuschauer). Der Zuschauerdurchschnitt in der aktuellen Saison liegt laut Sender bei 960.000 Zuschauern (Stand: 3. Januar 2014). 

Die Fernsehsender argumentieren, die Bühne im Free-TV würde der zweiten Liga gut tun. Dafür werden dann regelmäßig die Aushängeschilder in den Schaukasten gestellt und sollen so neue Interessenten anlocken. An sich nichts Schlechtes. Aber braucht es dafür diesen Montagstermin? Sehen an einem Freitagabend etwa weniger Zuschauer zu, wenn es denn schon unbedingt ein Termin „zur besten Sendezeit“ sein soll? Sollte wirklich jemand, der sich nicht wirklich für den Sport interessiert, gerade am Montagabend beim Spartensender Sport1 hängen bleiben, um sich dort die zweite Liga anzusehen? Oder schauen nicht doch eher allgemein Sportinteressierte gezielt Fußballübertragungen, egal ob diese an einem Montag- oder einem Freitagabend stattfinden? Warum werden diese Spiele nicht gerechter unter allen Vereinen verteilt? Während große Vereine zunehmend genervt von den Montagspartien sind, freuen sich kleinere Vereine wie der FC Ingolstadt anscheinend über die Bühne, die sich ihnen bietet.

Und die Fans?

Die Fans fühlen sich dabei selten bis gar nicht gehört. In Kaiserslautern gab es eine lange Zeit einige Protestbewegungen gegen die durch die DFL festgelegten Termine – nicht nur auf Montagsspiele beschränkt, sondern auch andere fanfeindliche Anstoßzeiten betreffend (bspw.Kein Kick vor Zwei! – Kaiserslautern). Hinter dem Tor vor der Osttribüne hängt schon seit langem ein Banner, der zu der Thematik Stellung nimmt („Stoppt den TV-Irrsinn!“), vor der Westkurve prangt immer montags groß „We don’t like mondays“. In letzter Zeit haben aber – über alle Fanszenen hinweg – die Proteste gegen fanfeindliche Anstoßzeiten abgenommen. Vielleicht bietet dieser Artikel neues Futter und Ansporn für die entsprechenden Bewegungen. Damit vielleicht irgendwann Sankt-Pauli-Fans nicht mehr knapp 1.600 Kilometer durch Deutschland fahren müssen, um ihr Team zu unterstützen.

Gegen alle Montagsspiele!

Erläuterungen zur Statistik:
Kilometerangaben sind immer für den Hin- und Rückweg gerechnet, die Wege wurden via Google Maps berechnet. Englische Wochen – auch eventuelle „Topspiele“ am Donnerstabend um 20:15 Uhr – wurden nicht mitgerechnet. Innerstädtische Duelle (Bsp. Union Berlin – Hertha BSC) wurden mit 0 Kilometern berechnet. Wer selbst noch ein wenig in den Statistiken stöbern möchte, kann sich diese im Anhang ansehen.

Statistiken als PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.